Zur Ausstellung PETER WILLBURGER – „AUSERLESENES von der Jugend bis zur Reife“ , zum 75. Geburtstag, im 20. Todesjahr, Galerie Thomas Flora, Innsbruck, vom 12.April – 13.Mai 2017

mostra PW

Wie der Titel erahnen lässt, sind in dieser Ausstellung einige ausgewählte Beispiele von jeder Schaffensperiode zu sehen. Von den noch nie gezeigten Tuschzeichnungen aus der Wiener Jugendzeit in den 60iger Jahren, wo er die Akademie der bildenden Künste bei Max Weiler besuchte, bis hin zu seinen „Profilen“ der 90iger Jahre in Süditalien, wo er 30 Jahre an der Amalfischen Küste lebte und arbeitete. Es handelt sich um sein eigenes Doppelprofil, vor- und rückblickend, welches er seit der Diagnose der schweren Krankheit immer wieder abbildete, ob in Radierungen – siehe Ambras-Tor mit seinen eingeätzten Profilen – oder in Aquarellen.mostra PWEr befasste sich hauptsächlich mit Recherchen der Radiertechniken und Aquarelle, er wollte neue Wege innerhalb dieser antiken Techniken finden. Unermüdlich erforschte er Tag für Tag, Nacht für Nacht die Welt der Radierung , keine Mühen, Kosten oder Reisen scheuend. Er zeigte auf einem Blatt verschiedene Veränderung der Metallplatte auf, indem er jeden Zustand weiter entwickelte, d.h. keine der Radierungen kann je wiederholt werden, da die Platte ständig verändert/geätzt wurde und nur der letzte Zustand auf der Platte erhalten bleibt. So ist jede Radierung ein Original. Am besten zu erkennen ist seine Vorgangsweise bei Radierungen mit 4 Zuständen, zB „Metamorfose“ oder „Stiegen und Schatten“: er bearbeitet die Platte in seinem Studio, dann begab er sich nach Rom (300km) in die Staatliche Druckanstalt (Calcografia Nazionale, der Palazzo des Trevi-Brunnens, wo er eine Sondererlaubnis vom Kulturministerium erhielt, dort entstanden auch die Radierungen für Schloss Ambras, die geätzten Platten zieren heute das Eingangsportal zum Spanischen Saal).

Einladung_Willburger-1Einmal entschieden, dass die Radierung aus 4 Zuständen bestehen soll, um die Entwicklung aufzuzeigen, wird das Blatt ausgemessen, der erste Zustand auf nassem Papier aufgedruckt und die Platte wieder ins Studio gebracht (wieder 300km), um weiterzuarbeiten. So wiederholt sich der Vorgang 4 Mal, d.h. auch 2400 km, Aufenthalts- Reise- und Druckspesen und einige Monate an Arbeit, um am Ende eine schwarz-weiß  adierung zu haben. Sein Credo: die Radierung ist nicht die Hure der Malerei, die man bedenkenlos vervielfältigt für den Markt, sondern ein eigenständiges Ausdrucksmittel der Kunst.

Experten (Koschatzky, Sotriffer, , Ronte, Oberhuber, Zorn, Argan, Menna, Achille Bonito Oliva u.a. ) wurden auf ihn aufmerksam, niemand radierte so anti-ökonomisch und meisterlich wie Willburger (Dieter Ronte: „ Willburger ist heute unter den Künstlern ein seltenes Exemplar. Die Konzentration auf die Radierung, dieses Fixieren auf ein Medium, reiht ihn ein in eine große Radiergeschichte, seien es Rembrandt, Piranesi, Morandi, Dürer usw…“; Katalog Ausstellung Stadthaus Ulm 1994).

Einladung_Willburger-2Es folgten in den 80iger Jahren Ausstellungen unter anderen in der Albertina, im Tiroler Landesmuseum, in Italien, sowie zahlreiche Einladungen zu Seminaren und Unterrichten als Gastprofessor (in Italien, an der Akademie in Wien, in Los Angeles und Pennsylvania).

Neue Wege fand er auch im Aquarell, welches aus Papier, Wasser und Farbe besteht. Sein Papier war die reine, weiße Zellulose aus den Papiermühlen von Amalfi, die Farben kamen aus der Küche (er war als hervorragender Koch von der Farbenpracht der Gemüse- und Pflanzenwelt begeistert). So wurden Tomaten, Oliven, Zitronen, Rohnen, Kürbis, Sepia, Rosen, Ginster, Cozze, Shrimps u.a. vermischt mit Amalfizellulose und getrocknet , zu „seinen“ Aquarellen. Auch die Zigarettenasche wurde zum Kunstwerk im „Profil o Grigio“ (Asche von 1000 Zigaretten).

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PETER WILLBURGER, geb. 1942 in Hall/Tirol, verstorben 1998 an der Amalfitanischen Küste. Ehrenzeichenträger der Stadt Hall, Ehrenbürger der Stadt Vietri sul Mare, Verleihung des Professoren-Titels 1996, er gewann mehrere Grafikpreise in Österreich und Italien. Zwei Straßen wurden nach seinem Namen benannt: in Hall/Tirol, die „Peter- Willburger-Straße“, und die „Via-Peter Willburger“ in Acciaroli-Süditalien. Weitere  nformationen über den Künstler, Biographien, Literatur, Ausstellungen, Seminare etc. befinden sich in der Monografie (herausgegeben vom Kunstverein Peter Willburger und der Albertina Wien-Publ.44), auf der homepage www.peterwillburger.com, sowie auf facebook: https://www.facebook.com/PeterWillburger/. Die 22 Willburger-Werke der Albertina sind online zu sehen: http://sammlungenonline.albertina.at/default.aspx#95e98313-e716- 4161-8af9- 6e8318cc6045. 

Der Kunstverein Peter Willburger wurde 1998 nach seinem frühen Tode gegründet, um sein künstlerisches Andenken weiter zu verbreiten. Hall, im April 2017